Ausschnitte aus dem gleichnamigen Buch von Prof. Dr. Werner Gitt
2.3 Zwei biblische Zeitbegriffe: Kairos und Chronos
Wenn die Bibel von Zeit spricht, so behandelt sie in erster Linie die mit der Zeit im Zusammenhang stehende Sinn- und Existenzfrage des Menschen. Sie unterscheidet zwischen zwei wesensmäßig verschiedenen Zeiten, die im griechischen Neuen Testament durch die Begriffe Chronos und Kairos gekennzeichnet sind. Da es im Deutschen wie auch in den meisten anderen Sprachen diese wortmäßige Unterscheidung nicht gibt, ist es im Bereich der Bibelauslegung schon häufig zu Fehlschlüssen großer Tragweite gekommen, weil durch Gleichschaltung beider Zeitbegriffe ihre prinzipielle Andersartigkeit nicht beachtet wurde.
2.3.1 Chronos: Die Zeit des Menschen
Chronos ist die physikalisch messbare Zeit (siehe Teil I) und damit die historisch ablaufende Zeit der Chronologie. Ihr liegt eine strenge Gesetzmäßigkeit zugrunde, in die auch wir Menschen eingebunden sind. Zum Maß dieser Zeitvorstellung und Zeiteinteilung sind uns Tag, Monat und Jahr geworden. Der norddeutsche Pfarrer und Evangelist Heinrich Kemner (1903 – 1993) hat das so charakterisiert [K1, S. 29]: „Im Chronos wird die Zeit als die Summe der Momente einer linearen Bewegung in Raum und Zeit begriffen.“ Damit ist etwas Wesentliches ausgedrückt: Diese Zeit ist nicht von Raum und Materie zu trennen. Zeit, Raum und Materie bilden die physikalische Grundsubstanz dieser Welt, und es kann das eine nicht losgelöst vom anderen betrachtet werden.
2.4 Die fünf Ebenen der Information – eine neue Basis zur Deutung der Zeit
Information begegnet uns in der von Naturwissenschaft und Technik geprägten Welt auf Schritt und Tritt: in den Systemen der modernen Computertechnik, in der Kommunikationstechnik, in den natürlichen und künstlichen Sprachen sowie in allen biologischen Systemen.
Der amerikanische Kommunikationswissenschaftler Claude E. Shannon (*1916) war der erste, der versuchte, eine Informationsmenge messbar zu machen. Gemäß der nach ihm benannten Shannonschen Informationstheorie wird der statistische Aspekt einer Zeichenfolge erfasst (z.B. Anzahl der Zeichen in einer Buchstabenkette). Allerdings vernachlässigt diese Theorie den Bedeutungsinhalt der Zeichenfolge und ist somit ungeeignet, um alle Aspekte von Information zu erfassen. Die statistische Menge der Information wird in Bit gemessen.
Um die o.g. Einschränkungen zu überwinden, habe ich die Naturgesetzliche Informationstheorie entwickelt, die in [G6] erstmals so bezeichnet wurde und die durch folgende Punkte ausgezeichnet ist [G4, S. 155]:
» Naturgesetzlicher Ansatz: Wie alle Naturgesetze aus der Beobachtung an bekannten Systemen gewonnen werden, sind die verschiedenen Sätze über Information ebenfalls aus der Beobachtung abgeleitet.
» Alle uns bisher bekannten Naturgesetze beziehen sich ausschließlich auf die Materie. In Erweiterung dazu wurden bezüglich der Information Sätze formuliert, die ebenfalls naturgesetzliche Wirksamkeit haben.
» Wie Naturgesetze stets erfolgreich auf unbekannte Fälle angewandt werden können, so erlauben auch die Sätze der Information diesbezüglich sichere Schlussfolgerungen.
» Naturgesetze sind nicht auf bestimmte Fachgebiete oder Anwendungen begrenzt, weil sie nach all unserem (derzeitigen) Wissen universell gültig sind. Gleiches gilt auch für die Informationssätze. Sie sind damit für lebende wie unbelebte Systeme gleichermaßen gültig.
» Es kann ein deutlich abgrenzbarer Definitionsbereich für Information angegeben werden [G4, S. 159 und G6, S. 207], der es erlaubt, eine scharfe Trennlinie zu ziehen zwischen Systemen, die innerhalb oder außerhalb des Bereiches liegen.
Erst durch die Erweiterung der Statistik um die weiteren Aspekte Syntax, Semantik, Pragmatik und Apobetik wird dem Informationsbegriff in seiner ganzen Fülle Rechnung getragen.
In meinem Buch „Am Anfang war die Information“ [G1] habe ich dieses Konzept ausführlich vorgestellt. Dieses neuartige Konzept der Information beruht auf einer äußerst wichtigen und grundlegenden Tatsache, nämlich darauf, dass diese Größe kein materielles, sondern wesensmäßig ein geistiges Phänomen darstellt.
Information ist zwar auf Materie speicherbar und mittels physikalischer Systeme übertragbar, aber sie entsteht keineswegs in rein materiellen Prozessen, sondern immer durch einen Ideengeber, also durch Einsatz von Intelligenz und Wille.
In den materialistischen Theorien wird diese Tatsache dadurch ignoriert, dass Information als rein physikalisches Phänomen vorausgesetzt wird.
Bild 3 beschreibt in Form einer Grafik, was alles zur Information zugehörig ist. Daran wird deutlich, dass zu jeder Information Sender und Empfänger unabdingbar sind.
| 5 | beabsichtigtes Ergebnis | » | Apobetik | « | erreichtes Ziel |
| 4 | erwartete Handlung | » | Pragmatik | « | ausgeführte Handlung |
| 3 | mitgeteilte Gedanken | » | Semantik | « | verstandene Bedeutung |
| 2 | verwendeter Code | » | Syntax | « | verstandener Code |
| 1 | übertragenes Signal | » | Statistik | « | empfangenes Signal |
| Sender | » | Information | « | Empfänger |
Das Fünf-Ebenen-Konzept der Naturgesetzlichen Informationstheorie.
Von jeder beliebigen codierten Information gilt, dass sie von jemandem ausgesandt ist (Sender) und an jemanden gerichtet ist (Empfänger). Es sind wesensmäßig fünf verschiedene Ebenen zu unterscheiden. Auf der höchsten Ebene, der Apobetik, geht es um das Informationsziel bzw. -ergebnis. Die darunterliegende Ebene der Pragmatik erfasst die gedachte/bewirkte Handlung. Eine Stufe tiefer geht es um die gedachte/ verstandene Bedeutung (Semantik). Die vorletzte Stufe (Syntax) befasst sich mit der sprachlichen Codierung/Decodierung der Gedanken, und die letzte Stufe behandelt das technische Übertragungskonzept und die damit verbundenen statistischen Angaben. Alle fünf Aspekte haben sowohl beim Sender als auch beim Empfänger ihre spezifische Ausprägung. Die einzelnen Ebenen bedingen einander. Das Informationsziel ist nicht erreicht, wenn es auf irgendeiner unteren Ebene zum vorzeitigen Abbruch kommt.
Als fünfte Ebene gehört die Apobetik (von griech. apobeinon = Ziel, Ergebnis, Ausgang) notwendigerweise dazu. Bei der Untersuchung unbekannter Fälle kann immer entschieden werden, ob man sich innerhalb oder außerhalb des Definitionsgebietes befindet. Die wichtigsten Naturgesetze über Information lauten [G1, S. 93]:
» Es gibt keine Information ohne Code.
» Es gibt keinen Code ohne freie willentliche Vereinbarung.
» Es gibt keine Information ohne Sender.
» Es gibt keine Informationskette, ohne dass am Anfang ein geistiger (intelligenter) Urheber steht.
» Es gibt keine Information ohne Willen.
» Es gibt keine Information ohne die fünf hierarchischen Ebenen: Statistik, Syntax, Semantik, Pragmatik, Apobetik.
» In statistischen Prozessen kann keine Information entstehen.
Die hier in aller Kürze dargestellte Informationstheorie ist in [G1] näher entfaltet, begründet und an Hand von zahlreichen Beispielen näher erörtert. Diese Naturgesetzliche Informationstheorie erlaubt es – wenn man sich innerhalb des Definitionsbereiches befindet –, weitreichende Schlussfolgerungen bis hin zu Fragestellungen zur Herkunft des Lebens zu ziehen. Leben ist hochgradig durch Information bestimmt und diese Information verlangt aus naturgesetzlichen Gründen einen intelligenten Urheber. Die Evolutionsidee, wonach Information in der Materie von alleine entstanden sein soll, ist darum schon im Ansatz falsch.
Das 5-Ebenen-Konzept der Information lässt sich auch aus der Bibel ableiten [G1, S. 151-177].
Dies ist ein markantes Beispiel dafür, dass wir durch das Studium der Bibel wichtige Strukturen und Zusammenhänge der Wirklichkeit erkennen können, auf die wir sonst kaum gestoßen wären. Mit der Bibel fällt auch auf wissenschaftlich „unverständliche“ Phänomene ganz neues Licht. Zeit: Bei Untersuchungen zu dem Begriff „Zeit“ fiel mir etwas Unerwartetes auf: Obwohl Information und Zeit grundverschiedene Phänomene sind, existiert zwischen beiden eine bemerkenswerte Analogie: Das 5-Ebenen- Konzept der Information [G1] ist überraschenderweise auch auf die Zeit anwendbar. Es stellt sich auch die Frage, ob es für die verschiedenen Ebenen der Zeit nicht vergleichbare Naturgesetze gibt, wie sie sich für die Information ableiten lassen.
Im Folgenden soll das 5-Ebenen-Konzept der Zeit ausführlich dargelegt werden.
2.5 Die fünf Ebenen der Zeit
Wie im Folgenden ausführlich dargelegt wird, lässt sich die Zeit des Menschen in Analogie zum 5-Ebenen-Konzept der Information als ein 5-Ebenen-Konzept der Zeit darstellen. Anhand zahlreicher Aussagen der Bibel und anschaulicher Lebensbeispiele wird dieser neuartige Zugang zum Phänomen Zeit veranschaulicht und begründet. Es gibt eine Fülle biblischer Sätze, die sich präzise einer der fünf Zeitebenen zuordnen lassen, wohingegen andere in ihrer Aussagebreite zwei oder gar drei Ebenen überdecken können.
2.5.1 Statistik der Zeit
Messung der statistischen Zeit: Für den Physiker ist die Zeit als Messgröße ein reines Mengenmaß ohne jegliche Qualität. Alle Uhren – von der Sanduhr bis zur Atomuhr – erfassen nur ihren statistischen Aspekt. Auf dieser statistischen Ebene geht es bei uns Menschen um das Maß an verfügbarer Zeit, um die Zeitspanne unseres Lebens, um die Anzahl unserer Jahre. In Analogie zur Information entspricht dies der Länge einer Zeichenkette, d. h. der Buchstabenfolge. Von der ältesten Messmethode der statistischen Zeit berichtet die Bibel in 1. Mose 1,14: „Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre.“ Die Messung geschieht hier mit Hilfe der Gestirne. Als Gerät wird in 2. Könige 20,9 die Sonnenuhr genannt. Die Zeit der Nacht wurde in vier gleiche Abschnitte, die sog. Nachtwachen, eingeteilt (Mt 14,25).
Die Kürze unser Zeit
Die Bibel weist wiederholt auf die Kürze unser Lebensspanne hin und benutzt zu ihrer Veranschaulichung flüchtige Ereignisse aus der Natur wie Wind, Schatten und Dampf: Wind: „Meine Tage sind leichter dahin geflogen denn eine Weberspule und sind vergangen, dass kein Aufhalten gewesen ist. Gedenke, dass mein Leben ein Wind ist“ (Hiob 7,6-7). Der Wind bläst nur eine gewisse Zeit, dann ist er dahin. Er hat nur Augenblickscharakter. Mit diesem Vergleichsbild weist uns die Bibel auf die schnelle Vergänglichkeit unseres enteilenden Lebens hin. Schatten: „Ist doch der Mensch gleich wie nichts; seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten“ (Ps 144,4). Der Schatten eines Baumes hängt vom Sonnenstand ab und zieht seine Bahn mit dem Lauf der Sonne. Zieht plötzlich Bewölkung auf, dann ist es mit dem Schatten vorbei. Oder denken wir an einen schnell durch die Landschaft rasenden ICE-Zug. Wo er sich gerade befindet, da ist sein Schatten sichtbar. So wie der Schatten vom Beobachter dahin fährt, so entschwindet auch unsere irdische Zeit. Dampf: „Denn was ist euer Leben? Ein Dampf seid ihr, der eine kleine Zeit währt, danach aber verschwindet er“ (Jak 4,14). Bei kochendem Wasser sehen wir die Dampfschwaden aufsteigen. Nicht lange bleibt der Dampf sichtbar, dann löst er sich in der umgebenden Luft auf und wird unsichtbar. Auch dieses Bild beschreibt anschaulich unsere kurze irdische Existenz.
Viele andere Aussagen der Bibel befassen sich in immer neuen Worten und Wendungen übereinstimmend mit der Kürze unseres Lebens. Im Folgenden sei auf eine Auswahl verwiesen:
Hiob 14,1.5: „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit. … Er hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden steht bei dir; du hast ein Ziel gesetzt, das wird er nicht überschreiten.“
Psalm 39,6: „Siehe, meine Tage sind einer Hand breit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir.“
Psalm 89,48: „Gedenke, wie kurz mein Leben ist.“
1. Chronik 29,15: „Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibt nicht.“
Manch einer ist fasziniert von der Lebensweise berühmter Leute. Auch sie waren sich der kurzen Spanne ihres Lebens durchaus bewusst. Die Konsequenzen, die sie jedoch daraus zogen, sind für uns keineswegs vorbildhaft, denn ihr Leben war allein vom Diesseitigen geprägt. Es fehlte in ihrem Denken jeglicher Bezug zur Ewigkeit.
Romy Schneider (1938 –1982): Sie wurde bekannt durch drei Sissi-Filme (1955 – 1957), in denen sie die junge Kaiserin von Österreich spielte und damit zum Liebling des deutschen Kinopublikums der 50er Jahre wurde. Obwohl weltbekannt, arbeitete sie unentwegt für den weiteren Ruhm. Ihren ehrgeizigen Plänen zufolge wollte sie die größte Schauspielerin dieser Zeit werden. Bezüglich ihres Lebens hatte sie folgendes Konzept [S1]: „Wer weiß, wie lange das Glück noch dauert, ich lebe nur für den Augenblick.“ – „Es ist besser, kurz und schön, als lange und in Maßen zu leben.“ Ihr Leben bekam sie nicht in den Griff. Zweimal war sie verheiratet, aber das Glück fand sie nicht. Alkohol und Tabletten waren kein Ausweg. 1982 nahm sie sich mit 44 Jahren das Leben.
Curd Jürgens (1915 –1982): Er gehörte zu den wenigen deutschen Schauspielern, die sich „Weltstar“ nennen durften ... Von ihm stammt ein Ausspruch, in dem er sich mit der Zeit seines Lebens beschäftigt: „Es ist wichtiger, den Jahren mehr Leben zu geben als dem Leben mehr Jahre.“ Jedoch am Ende seines Lebens befällt ihn die Furcht vor dem Tod: „Manchmal denke ich schon, dass ich vielleicht ein anderes Leben hätte leben sollen. Dann befällt mich die Angst zu sterben, und ich zweifle, ob es richtig war, nicht an Gott zu glauben.“
2.5.2 Syntax der Zeit
So wie es eine Syntax* (grammatische und stilistische Regeln) bei den natürlichen und künstlichen Sprachen gibt, finden wir sie auch bei der Zeit, wobei hier die Regeln für den Umgang damit gemeint sind: Welche Strategien verwenden wir zur optimalen Zeitplanung? Welche Konzepte und Regeln zur Termingestaltung gestatten uns einen effektiven Einsatz der Zeit? Wie vermeiden wir Hektik und Stress? Wie gestalten wir unser Lebensprogramm? ... Die ständige Zeitnot wird zum Dauerproblem. Zeitmanagement scheint die Lösung des Problems zu sein und darum veranstalten zahlreiche Firmen für ihre gestressten Manager entsprechende Seminare, ...
Wer den Sternenhimmel beobachten will, kann mit einem Feldstecher mehr sehen als mit dem bloßen Auge. Ferne Galaxien und astronomische Details bleiben dem Beobachter aber unzugänglich. Moderne Spiegelteleskope eröffnen hingegen ganz neue und ungeahnte Bereiche. So haben Methoden des Zeitmanagements durchaus ihren Platz, sie greifen aber viel zu kurz, weil sie im rein Irdischen begrenzt sind. Wollen wir in diesem Sinne „weitreichende Spiegelteleskope“ einsetzen, dann müssen wir die Bibel nach ihrer empfohlenen Zeit-Syntax befragen. Die Bibel nennt die Maßstäbe, die uns zu einem Zeitmanagement ganz anderer Art verhelfen.
2. Zeitsyntax nach der Bergpredigt:
In der Bergpredigt nennt Jesus eine weitere sehr wichtige Regel für den Umgang mit der Zeit. Obwohl das Wort „Zeit“ gar nicht in diesem Vers vorkommt, finden wir hier dennoch eine ganz grundlegende Weisung für den Umgang mit der Zeit: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen“ (Mt 6,33).
Dieser Vers beinhaltet die Grammatik Gottes für unser Leben. Wenn das Reich Gottes die höchste Priorität in unserem Leben einnimmt, dann haben wir die beste Grammatik für den Umgang mit der Zeit. Wenn Jesus selbst und seine Anliegen auch unsere Anliegen sind, dann wird er uns auch jene Dinge gelingen lassen, von denen wir meinen, wir müssten ihnen so viel Zeit widmen. Wenn wir unser Leben jedoch mit einer anderen Grammatik schreiben, dann ist es aus der Sicht Gottes falsch geschrieben. Es ist wie bei einem Diktat in der Schule. Hält der Schüler die grammatischen Regeln nicht ein, steht am Ende ein „Ungenügend“ darunter. So ist es auch bei Gott. Es kann uns passieren, dass wir am Ende eine unzureichende Note für das gelebte Leben erhalten. „Gewogen und zu leicht befunden!“ (Dan 5,27). Die Bibel sagt: „Du gehst verloren!“ Damit das nicht passiert, brauchen wir die richtigen „Rechtschreiberegeln“ für das Leben.
Wir brauchen „Rechtschreiberegeln“ für das Leben
In der Bergpredigt hat Jesus uns diese genannt. Es gibt auch Christen, die mit einer falschen Grammatik leben. In Deutschland würde sich ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung als Christ bezeichnen. Aber sind sie wirklich Christen nach biblischem Maßstab? In der Bergpredigt beschreibt Jesus eine solche Gruppe von Menschen, die sich selbst dazugehörig zählen, die aber dennoch das Himmelreich nicht erreichen werden: „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel“ (Mt 7,21). Welch eine Tragik, wer dies einmal aus dem Munde Jesu hören wird!
Nicht die Zugehörigkeit zu einer Kirche bringt uns in den Himmel, auch wenn sie sich die Größte, die Älteste oder Verbreitetste nennt, sondern unser Tun nach dem Willen des Vaters. Den Willen des Vaters lernen wir in der Bibel kennen. In Johannes 6,28-29 stellen die Jünger dem Herrn Jesus genau diese Frage: „Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den [= Jesus] glaubt, den er [= Gott] gesandt hat.“ Nach der Übersetzung der Guten Nachricht (1972) lautet dieser Text: „Was müssen wir tun, um Gottes Willen zu erfüllen? Jesus antwortete: Gott verlangt nur eins von euch: Ihr sollt dem vertrauen, den er gesandt hat.“
Mit diesem Vers ist ein Leben gemeint, bei dem Jesus Christus unser persönlicher Herr ist. Ein solches Leben fängt immer mit der Bekehrung zu ihm an (siehe Kap. 2.6). Bei uns im sog. christlichen Abendland meinen viele, sie seien Christen, aber sie kümmern sich gar nicht oder kaum um Gott, um Jesus Christus und um die Bibel. Von einer Bekehrung, also der bewussten und persönlichen Hinwendung zum Sohn Gottes, haben sie vielleicht noch nicht einmal gehört. Als ich neulich mit einem Ehepaar ins Gespräch kam, sagte mir der Mann: „Wir sind Christen!“ – Auf meine Frage „Gehen Sie zur Kirche?“ meinte er „Nein, das sagt mir nichts; da gehe ich lieber in ein Konzert. Das gibt mir mehr.“ Leider hat er sogar Recht darin, denn in vielen Kirchen wird kaum noch ein klares biblisches Evangelium verkündigt. Es gibt aber dennoch biblisch orientierte Gemeinden; diese muss man suchen, dort kann man sich anschließen und die eine gute Botschaft hören.
Mit falscher Grammatik, mit falscher Zeitsyntax, gehen wir ewig verloren. Wir erreichen nicht das von Gott gesetzte ewige Ziel. Zur Zeitsyntax gehört auch der folgerichtige Ablauf der Dinge in unserem Leben. Ein Landmann erntet nicht im Winter und ein Haus baut man nicht, bevor die Zeichnung erstellt ist. Es gibt eine geordnete Abfolge der Dinge, darum heißt es in Prediger 3,1: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Auch der Ruf Gottes an uns hat seine Stunde. Ihn zu überhören, hätte fatale Folgen. Wer sich nicht entscheidet, verpasst damit eine Ewigkeit. Der Kerkermeister von Philippi begriff in einer einzigen Nacht, da er es hörte, worum es ging, und wurde augenblicklich gerettet.
» Das Buch "Zeit und Ewigkeit" ist bei www.clv.de erhältlich.
Der Autor: Prof. Dr.-Ing. Werner Gitt, 1937 in Raineck/Ostpr. geboren. Von 1963 bis 1968 absolvierte er ein Ingenieurstudium an der Technischen Hochschule Hannover, das er als Dipl.-Ing. abschloss. Von 1968 bis 1971 war er Assistent am Institut für Regelungstechnik an der Technischen Hochschule Aachen. Nach zweijähriger Forschungsarbeit promovierte er zum Dr.-Ing. Seit 1971 leitet er den Bereich Informationstechnologie (früher Datenverarbeitung) bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. 1978 wurde er zum Direktor und Professor bei der PTB ernannt. Er hat sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen aus den Bereichen Informatik, numerische Mathematik und Regelungstechnik beschäftigt und die Ergebnisse in zahlreichen wissenschaftlichen Originalarbeiten publiziert.
1. Auflage 1999
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